Eine Reise nach Valencia, mit der Bahn, wie zu Urgrossvaters Zeiten

Vielen Schweizern ist der Talgo, ein Nachtzug, welcher dreimal pro Woche von Zürich nach Barcelona verkehrte, heute noch ein Begriff. Seit 2012 gibt es den legendären Nachtzug nicht mehr, er fiel dem erbitterten Preiskampf mit den Low-Cost Flügen zum Opfer.

Auch ich reiste in den letzten Jahren mehrheitlich mit dem Flugzeug nach Valencia, wo wir unsere Finca haben. Vor zwei Jahren fragten unsere Kinder, damals 8- und 10-jährig, eines Tages warum wir eigentlich nicht mit dem Zug nach Spanien reisen. Sie hätte in der Schule gelernt fliegen sei schädlich für das Klima. Wir nahmen die berechtigte Frage als Anlass unsere nächste Reise für einmal anders aufzugleisen. So reisten wir im Herbst 2019 in zwei Tagen mit der Bahn von unserem Wohnort am Zürichsee nach L’Alcudia de Crespins. Eine Nacht verbrachten wir in Valence (Frankreich). Bei Ankunft gingen wir in einer authentischen Brasserie zu Abend essen, und am nächsten Morgen gönnten wir uns ein Frühstück im Café neben der Unterkunft, bevor es weiterging in Richtung Barcelona. Die Ferien hatten für uns alle bereits unterwegs begonnen!

Diese Woche bin ich wieder einmal mit dem Zug nach Canals gereist, allerdings aus beruflichen Gründen, sprich allein, ohne Familie. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt an einem Montagmorgen um 5h mit dem Velo von Zuhause an den Bahnhof zu fahren und noch am selben Tag um 23h auf der Casa del Mas, im fernen Canals (Valencia) anzukommen. Die auf den Punkt gebrachte Antwort lautet «erstaunlich gut»! Die Rückreise kann man nicht an einem einzigen Tag durchziehen. So fuhr ich am Freitagabend um 17h mit dem Zug nach Barcelona, übernachtete in der Nähe des Bahnhofs Barcelona Sants und fuhr am Samstag bis nach Stäfa zurück.

Da mich im Verlauf der Woche etliche Freunde, Bekannte sowie Feriengäste und Besucher auf der Casa del Mas gefragt haben, wie die 17-stündige Reise war, beschloss ich ein paar Eindrücke und Erfahrungen festhalten. Am Schluss führe ich ein paar Reisetipps auf, falls Sie demnächst auch per Bahn nach Spanien reisen möchten.

Was ich geschätzt habe an der Zugreise:

Keine langen Wartezeiten für Sicherheits- und Passkontrollen. Selbst in Barcelona Sants, wo sie es mit der Sicherheitskontrolle doch sehr ernst nehmen, genügt es, wenn man 20 Min. vor der Abfahrt am Bahnhof eintrifft.

Komfortable Sitze, genügend Platz, Strom und WLAN. Arbeiten kann man fast so gut wie im Büro und wenn man ab und an zum Fenster herausschaut, kommt man in Genuss einer abwechslungsreichen Aussicht!

Da es im Allgemeinen sehr ruhig ist, schaltete ich mein Handy auf lautlos und merkte, dass ich konzentrierter und effizienter gearbeitet habe als in meinem Büro.

Zur Abwechslung kann man einen Halt im Speisewagen einlegen, ein Buch lesen oder sich ein Nickerchen gönnen.

Auf dem Rückweg muss, bzw. darf man eine Nacht unterwegs verbringen, z.B. in Barcelona und kann dort nach Ankunft noch gemütlich zu Abend essen. Am Folgetag hat man vor der Abfahrt Zeit für einen kurzen Bummel in der Stadt. Es fühlt sich an wie Mini-Ferien nach einer intensiven Arbeitswoche.

Last but not least, habe ich ein besseres Gewissen, denn meine Reise verursacht einen CO2-Aussstoss, der sieben Mal kleiner ist, als wenn ich dieselbe Strecke mit dem Flugzeug hinterlegt hätte.

Worauf man vorbereitet sein sollte:

Pünktlichkeit scheint auf dieser Strecke ein etwas flexibler Begriff zu sein. Auf der Hinfahrt hatte mein erster TGV ganze 50 Minuten Verspätung, was beinahe dazu geführt hat, dass der Anschluss in Nîmes nicht gewährleistet werden konnte. Wäre das eingetroffen, hätte ich eine Unterkunft in Barcelona buchen müssen. Auf dem Rückweg fuhren diverse Züge zu spät ab oder machten unterwegs ungeplante Halte. Angekommen sind sie aber allesamt Pünktlich. Erstaunlich war, dass der Anschluss-TGV auf der Rückfahrt in Nîmes ganze 19 Minuten VOR der geplanten Abfahrzeit losfuhr!

WLAN funktioniert in den TGVs gut, sofern diese sich in Frankreich befinden. Nach der spanischen Grenze bricht die Verbindung zusammen. Auch das Mobilfunknetz ist auf der Strecke zwischen der französisch-spanischen Grenze und Barcelona wegen der vielen Tunnels ziemlich holprig.

Obschon die meisten Reisenden sehr ruhig sind, kann es vorkommen, dass man einen Sitznachbarn hat, der jedes WhatsApp-Video gleich nach Erhalt anschaut und das ohne Kopfhörer! Mit eigener Musik und Kopfhörern oder mit Ohropax ist man optimal ausgerüstet!

Die Reise kostete mich (inkl. einer einfachen Unterkunft) ca. CHF 500.-. Wer weniger kurzfristig bucht, kommt auch zu günstigeren Tickets. Allerdings kostet die Reise mit der Bahn i.d.R. zweimal mehr als mit dem Flugzeug.

Tipps für die Planung der Reise:

Sowohl für die französische als auch auf der spanischen Strecke müssen Zug- und Sitzreservationen gemacht werden. Am besten holt Ihr Euch gleich alle drei Fahrpläne parallel auf den Bildschirm: sbb.ch, oui.sncf (für den TGV) und trenes.com wo man komfortabel die Renfe (Spanische Bahn) Tickets kaufen kann.

Alternativ kann man die Reise auch an einem SBB-Bahnschalter buchen und bezahlen. Das ist einfacher als das Buchen der verschiedenen Teilstrecken, allerdings kostet es mehr. Online (sbb.ch) sind diese Billette nicht buchbar.

Bei der Streckenwahl gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man fährt von Basel nach Mulhouse und von dort via Nîmes nach Barcelona und weiter nach Valencia und L’Alcudia de Crespins oder man verlässt die Schweiz in Genf, fährt von dort nach Lyon Part Dieu, wo man den TGV nach Barcelona nimmt.

Falls Ihr Euch auch bald für eine Zugreise nach Spanien entscheidet, lasst es uns wissen und wir schenken Euch eine Flasche Rotwein von Filoxera, um bei Ankunft auf der Casa del Mas auf die lange Reise anstossen zu können!

Ausblick für die Nachtzugfans unter Ihnen:

Die ÖBB plant wieder Nachtzüge auf der Strecke bis Barcelona fahren zu lassen. Ab 2024 soll es so weit sein. Wir freuen uns und fahren in der Zwischenzeit weiterhin tagsüber Zug.

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