Hurra! Endlich steht Bio drauf, wo schon seit 10 Jahren Bio drin war

Es ist kaum zu glauben aber wahr: Unsere Abpackhalle ist endlich Bio-zertifiziert! Dank diesem Zeugnis, kombiniert mit dem Bio-Zertifikat, welches wir bereits 2009 für den Anbau auf unserer gesamten Produktionsfläche erhalten haben, sind wir ab sofort in der Lage, unsere Zitrusfrüchte als biologisch zu etikettieren und verkaufen.

Heute Nachmittag traf das Zertifikat, ein unscheinbares, zweiseitiges Dokument, per E-Mail ein. Die meisten Empfänger messen einem solchen Anhang wohl kaum Wichtigkeit bei. Aber für uns stellt dieses Zertifikat einiges mehr dar, denn es schliesst einen sage und schreibe zehnjährigen, administrativen Prozess ab.

Sie fragen sich jetzt, wie kann man nur 10 Jahre benötigen, um ein solches Zertifikat zu erhalten? Gute Frage. Die Gründe haben nichts mit unserem Betrieb zu tun, sie sind vielmehr in einer Serie administrativer Absurditäten zu suchen. 1988 wurde in Spanien ein neues Raumplanungsgesetz verabschiedet, in dem unter anderem das gesamte Gebiet, in dem sich unser Betrieb befindet, als geschützte Landwirtschaftszone deklariert wurde. Auf solchen Böden durfte man auf einmal nur noch Landwirtschaft betreiben, nichts anderes. Es wurde dabei keine Rücksicht auf bestehende Bauten wie unsere Abpackhalle aus dem Jahr 1952 genommen. Das Gesetz blieb allerdings lange ohne Konsequenzen für Betriebe wie unseren, man durfte problemlos weiterarbeiten trotz der technischen Inkompatibilität mit dem Raumplanungsgesetz.

Nun setzt die Bio-Zertifizierung eines Abpackbetriebes aber eine Betriebsbewilligung voraus und strikt juristisch betrachtet, konnte uns die Gemeinde keine solche geben, da unser Gebäude ja auf einem für solch gewerbliche Zwecke (wie Orangen abbürsten, sortieren, kalibrieren und abpacken) nicht zugelassenen Boden steht. Nach mehreren erfolglosen Ansätzen und missglückten Versuchen unsere Abpackhalle zu legalisieren, kam genau vor einem Jahr eine zündende Idee auf. Gestützt auf einer relativ neuen Raumplanungsgesetzänderung, haben wir der Gemeindeverwaltung einen juristisch fundierten Antrag gestellt, welcher herleitet und beweist, weshalb unsere Orangenabpack-Aktivität doch kompatibel ist mit der Zonenplanung. Nach vielen Abklärungen und gründlichem Absichern haben die Beamten auf der Gemeinde beschlossen uns ihr Einverständnis zu geben.

Damit fuhren wir gleich zur Bio-Zertifizierstelle CAECV, welche dann innert kürzester Zeit den ersten Inspektionsbesuch unserer kleinen Früchte-Abpackhalle organisierte. Wir pflückten ein paar grüne Orangen und liessen diese durch unsere Reinigungs-, Sortier- und Kalibrieranlage rollen, damit der Inspektor alle Abläufe sehen konnte. Nur elf Tage nach der Inspektion traf unser Bio-Zertifikat ein!

Die Schlussfolgerung: Abgesehen davon, dass wir glücklich sind das Thema des Bio-Zertifikats endlich ad acta legen zu können; eine Kombination aus Geduld und Beharrlichkeit gehört in die Werkzeugkiste eines jeden Unternehmers in Spanien. Auch wenn die Situation noch so verfahren und hoffnungslos aussieht, kommt es unweigerlich irgendwann zu erstaunlichen Kehrtwendungen und neuen Möglichkeiten.

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