Nach der Ernte heisst zugleich vor der (nächsten:-) Ernte

Time flies! Es ist bereits zwei Monate her, seitdem wir die letzte Kiste Orangen in Küsnacht verkauft haben. In der Zwischenzeit sind Claudia, David und Zymer mit ihrem Möbel-Popup-Store in unser Lager eingezogen. Wir öffnen unseren eigenen Laden jeweils am Donnerstagnachmittag und am Freitagmorgen, um Ihnen unser frisches Olivenöl, Konfitüren und Cashews anbieten zu können.

Wenn ich Bekannte oder Kunden im Dorf antreffe, werde ich häufig gefragt: «Sag mal, was macht ihr denn so die ganze Zeit, wenn ihr keine Orangen mehr zum Verkaufen habt?!» Schon fast reflexartig antworte ich unterdessen: «Nichts, Siesta machen unter den Orangenbäumen und warten auf die nächste Ernte», was gewöhnlich ein etwas ungläubiges Schmunzeln auslöst. Die Realität sieht natürlich anders aus. Auf einer Plantage heisst das Ende einer Ernte gleich auch der Beginn des nächsten Zyklus.

Kaum waren die letzten Felder abgeerntet, haben wir an die 700 Tonnen Schafmistkompost und ein biologischer Stickstoffdünger zwischen den Baumreihen ausgebracht. Kompost und Dünger wurden anschliessend oberflächlich in den Boden eingearbeitet, damit die Nährstoffe den bald blühenden Bäumen zur Verfügung stehen.

Die Blüte der Orangenbäume begann etwas später als üblich erst Ende März, dafür fiel sie ausserordentlich üppig aus. Die Navel-Felder sahen zeitweise fast schneebedeckt aus! Das Blühen fordert die Bäume ziemlich, sie beginnen von ihren Reserven zu zehren und die sonst dunkelgrünen Baumkronen werden im Frühling oft hellgrün bis gelblich-bleich.

Somit ist es äusserst wichtig, dass der ebenfalls stark wachsende Bodenbewuchs regelmässig gemäht wird. Diese Gräser und Kräuter ernähren sich nämlich von denselben Nährstoffen und dem gleichen Wasser wie die Orangenbäume und stehen somit in direkter Konkurrenz mit ihnen. Der Bodenbewuchs ist ein fixer Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems im Biolandbau, denn er sorgt für gesunde, durchwurzelte und lockere Böden und für eine hohe Biodiversität.

Apropos Biodiversität: Mitte April begannen wir ein Insektenartenvielfalt-Monitoring-Projekt. Mit der Hilfe von zwei Entomologen wird nun in regelmässigen Abständen erhoben, wie gross die Schädlingspopulationen sind und welche Nützlinge in welchen Mengen auftreten. Falls nötig, werden wir zusätzliche Nützlinge, welche Schädlinge parasitieren, aussetzen. Auf diese Art konnten wir in den letzten Jahren den Pflanzenschutz fast gänzlich ohne biologische Spritzmittel betreiben.

Anfang Mai begannen wir dann mit dem Baumschnitt. Fulgencio und sein kleines Team arbeiten sich nun während der nächsten drei Monate systematisch durch alle Felder der Plantage. Diese Baumschnittprofis sehen auf Anhieb, welche Äste und Zweige herausgeschnitten werden müssen, um den Baumkronen eine regelmässige und durchlüftete Form zu verleihen.

Geregnet hat es nur vereinzelt diesen Frühling. Der Wasserstand in unserer Quelle in Mangay ist zum Glück aber noch ziemlich hoch, so dass wir zuversichtlich sind für die bevorstehende Sommersaison, während der wir die Zitrusbäume fast täglich bewässern müssen. Um das einwandfreie Funktionieren unserer Tauchpumpe zu gewährleisten, liessen wir sie heuer revidieren. Die Pumpe wurde mit sämtlichen Stahlrohren aus 100 m Tiefe hervorgehoben und zum Service eingeschickt. Die konstant der Feuchtigkeit ausgesetzten und demzufolge stark oxidierten Stahlrohre schliffen wir ab und beschichteten sie neu. Die ganze Pumpe läuft nun wieder einwandfrei, hoffentlich für die nächsten paar Jahre.

Der Frühling wird zunehmend zu einer beliebten Saison für Ferien auf der Plantage. Die zwei Ferienwohnungen im frisch renovierten Farmhaus und unser Ferienhäuschen neben der Quelle in Mangay waren über die letzten zwei Monate fast komplett ausgebucht. Es ist ein grosses Privileg, so viele interessierte, ja begeisterte Kunden hier in Canals begrüssen zu dürfen. Im Verlaufe der Betriebsrundgänge, welche wir unseren Gästen jeweils anbieten oder wenn man sich auf der Finca über den Weg läuft, entstehen viele sympathische Begegnungen und spannende Gespräche.

Zum unumstrittenen Mittelpunkt unseres agrotouristischen Angebotes ist der noch nicht einjährige «Lago» (Schwimmteich) geworden. Die Wasserpflanzen, welche für die Reinigung des Wassers sorgen, sind in den letzten Wochen stark gewachsen und etliche haben auch zu blühen begonnen. Mittlerweile wissen wir, dass ein solcher Schwimmteich einiges an Pflege braucht, dass es aber auch möglich ist, sauberes Badewasser ohne jegliche chemische Hilfsmittel zu gewährleisten.

Zurzeit pflanzen wir 900 neue Clementinen -und Zitronenbäume an, doch mehr dazu in ein paar Wochen.

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  • siehe unten

    Danke, lieber Boris, nun sind wir wieder auf dem Laufenden, was so alles passiert bei euch, wirklich beeindruckend eure immer wieder neuen Ideen, wie ihr es noch besser machen könnt. Die Fotos weckten Erinnerungen.
    Herzliche Grüsse an alle, die uns kennen
    Jeanette und Heinz

  • noch viele jahre....weiter so.....

    es ist "einfach"nur schön dass es casa del mas gibt! gutes gelingen für die saison
    lg barbara

  • weiterhin Glückauf!

    In der Mangay durfte ich als 8- jähriger Knirps die Ventile des SULZER Dieselmotors mit einem Oelpintli schmieren. Dies unter den wachsamen Augen von Antonio Sanchis und Vicente genannt "El Frances". In einem unbeobachteten Moment, durfte ich im Stahlkessel über 80 Meter Antriebswelle und in ca. 90 Metern Tiefe die Pumpe kontrollieren. Das System der 30er Jahre
    dürfte im Alteisen verschwunden sein-ich zähle mich aber (noch) nicht dazu - die Erlebnisse haben vielleicht zum Studium Maschinenbau beigetragen....In grosser Sorge um das Volumen der Orangenernte und die Lieferungen an Bircher-Benner, hat mein Vater einige Lastwagen Kaliphos unter den Kuhmist gemischt. Beide sind unter dem Boden, und die Mogelei verjährt.

  • Seit ich selber einen 200m2 grossen Schrebergarten bepflanze habe ich noch grösseren Respekt von Plantagen-Besitzern. Das viele Wissen, die grosse Arbeit, das Risiko von Unwettern oder Schädlingen, alle Achtung!

    Sehr geehrter Herr Jost, Ihr Bericht ist sehr interessant und ich werde ihn sogleich ans ganze claro Laden Team weiterleiten.