Swimmingpool-Salat

Juan erschien etwas früher als abgemacht vor unserer Haustür und das mit gutem Grund: er wollte noch nach seinem neuen Lieblingsprojekt, dem Gemüsegarten, sehen, bevor wir uns auf den Weg machten. Der Gemüsegarten (‚huerta‘ auf Spanisch) ist auch der Namensgeber der gleichnamigen Ferienwohnung; er ist eines der neuen Highlights auf der Plantage.

Nachdem er seine Zöglinge gehätschelt hatte, machten wir uns auf nach Montesa Richtung Schloss. Juans gute Beziehungen zum Bürgermeister seiner Heimatstadt brachten uns den Schlüssel für den Innenbereich ein. Anders als gestern konnten wir die Festung nun von Innen und bei Tageslicht bestaunen. Mit Begeisterung erklärte er uns, wo sich die verschiedenen Räume befanden, bevor das Erdbeben vor 250 Jahren zuschlug und die Burg teilweise zum Einsturz brachte. Einige Mauern und Bögen sowie die Wasserreservoirs sind immer noch erhalten, so dass man sich gut in das Leben der früheren Bewohner hineinversetzen kann.
Ein paar Minuten vom Schloss entfernt befindet sich ein schönes Klettergebiet. Da sowohl der sportliche Juan wie auch mein Freund begeisterte Kletterer sind, verbrachten die Jungs eine lange Zeit damit, die Wände hinaufzuschauen und die Schwierigkeiten der Routen zu kommentieren, während ich etwas herumlief und die Aussicht genoss. Juan erzählte uns auch von den Neandertalern, die früher hier gewohnt hatten. Allgemein merkt man ihm beim Erzählen die Freude und den Stolz auf seine Region an: kein Wunder mögen ihn alle Casa del Mas-Besucher, die er seit letztem Sommer bei ihrem Aufenthalt betreut hat.

Weiter ging’s durch Felder voller Orangen, Aprikosen und Kaki-Bäume nach Vallada, wo wir im La Sal del Romer eine grossartige gazpacho manchego, eine lokale Spezialität, verspeisten. Früher wurde der Eintopf mit Fladenbrot von Schäfern in kalten Winternächten zubereitet um sich aufzuwärmen und den Bauch zu füllen. Es ist nicht zu verwechseln mit der gazpacho andaluz, der kalten Suppe die uns eher geläufig ist. Die Gastgeber waren sehr freundlich und authentisch, der Besuch nicht nur wegen des offerierten selbstgebrannten Kräuterschnapses ein wahres Vergnügen.
Bereits während des Essens begann Juan uns in seinem sympathischen Englisch vom nahen „swimmingpool-salad“ zu erzählen. Trotz seiner Erklärungen verstanden wir nicht, worauf er hinaus wollte und nach einer Weile war es zu peinlich, nochmals nachzufragen. 
Mit sehr vollem Bauch marschierten wir also los Richtung Swimmingpool-Salat. Unsere Fantasie ging mit uns durch: was würden wir vorfinden? Ein Pool voller Tomaten und Gurken? Ein Salatbett das aus einem Swimmingpool bewässert wird? Nach zwei Minuten standen wir vor einem normalen Pool und waren kein bisschen schlauer. Vielleicht fand der Salat-Event nur im Sommer statt? Juan führte uns unbeirrt weiter zu dem Bach, aus dem der Pool gespeist wird und der unweit aus dem Berg entspringt. Er forderte uns auf, daraus zu trinken: das Wasser schmeckte salzig. Endlich fiel der Groschen: ein Salzwasser-Swimmingpool! Sicher etwas unspektakulärer als erwartet, aber immer noch ziemlich interessant. Als wir Juan von dem Missverständnis erzählten, kugelte er sich vor Lachen.

Gleich um die Ecke des Restaurants befinden sich zwei wunderschöne Kapellen, die man auch gesehen haben sollte: vor allem der Mosaikboden hat es mir angetan.

Das nächste Ziel unserer Reise war ein Badesee in den Bergen etwas oberhalb von Moixent, wo sich die Einheimischen im Sommer gerne treffen und abkühlen. Anschliessend machten wir uns auf den Weg zum etwas weiter entfernten Dorf Fontanars, welches bekannt ist als ausgezeichnetes Weingebiet. Auch die beiden Weine, die wir in der Casa del Mas in Küsnacht verkaufen, kommen von dort. Erstaunlich ist es auch, dass in diesem kleinen Dorf ein Michelin-Stern Restaurant zu finden ist. Der Besitzer Julio gab allerdings seine Sterne nach ein paar Jahren zurück, da er nicht mehr den ganzen Druck und Hype um die Bewertung haben wollte.

Langsam wurde es dunkel und wir brachen auf nach Bocairent, dem letzten Ziel unserer Reise. Die verwinkelte Altstadt war für mich der Höhepunkt des heutigen Tages. Das Auto muss man stehen lassen, bevor man sich in die engen und mit Treppen gespickten Gassen wagt. Die Stadt ist ein halbes Labyrinth, gebaut auf einem Hügel, von dem aus man die umliegende Landschaft betrachten kann. In einer gegenüberliegenden Felswand befinden sich maurische Höhlen, die wir aufgrund der Dunkelheit leider weder sehen noch besuchen konnten. Das Herumkraxeln in diesen Höhlen ist definitiv etwas, das ich bei meinem nächsten Besuch noch nachholen möchte. Vor allem für Kinder soll es eine tolle Erfahrung sein. Auch die riesigen, ebenfalls von den Mauren gebauten Untergrundkammern zur Lagerung von Eis werde ich mir unbedingt noch anschauen müssen.

Etwas geschafft aber mit dem Kopf voller schöner Erinnerungen machten wir uns schliesslich auf nach Hause, wo wir uns vor dem Kamin noch ein Schlückchen ausgezeichneten Fontanars-Wein gönnten: ein gelungener Tag!

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